Ein Plusenergiehaus ist ein Gebäude, das über das Jahr gerechnet mehr Energie erzeugt, als es für Heizung, Warmwasser, Lüftung und in der Regel auch den Haushaltsstrom verbraucht. Möglich wird das durch eine sehr gute Dämmung, eine Wärmepumpe und eine ausreichend große Photovoltaikanlage. Der Überschuss wird ins Stromnetz eingespeist, im Batteriespeicher zwischengespeichert oder zum Beispiel für das Elektroauto genutzt.
Plusenergiehaus: Definition und Funktionsweise
Entscheidend ist die Jahresbilanz. Im Sommer produziert ein Plusenergiehaus deutlich mehr Strom, als es braucht, im Winter meist weniger. Über zwölf Monate gerechnet liegt die Erzeugung aber über dem Verbrauch. Ein Plusenergiehaus ist also nicht autark, sondern bleibt in der Regel mit dem Stromnetz verbunden.
Eine einheitliche gesetzliche Definition gibt es nicht. Je nach Konzept wird die Bilanz über Endenergie oder Primärenergie gerechnet, und manche Definitionen beziehen den Haushaltsstrom ein, andere nicht. Wer ein Plus-Energie-Haus plant, sollte deshalb mit Planer oder Energieberater festlegen, welche Bilanz gelten soll.

Merkmale eines Plusenergiehauses
Sehr geringer Energiebedarf
- Dämmung: Dach, Außenwände und Bodenplatte sind deutlich besser gedämmt als beim gesetzlichen Mindeststandard.
- Fenster: Dreifachverglasung mit gedämmten Rahmen, große Fenster meist nach Süden, kleinere nach Norden.
- Luftdichte Hülle: Eine dichte Gebäudehülle verhindert Wärmeverluste durch Fugen.
- Lüftung mit Wärmerückgewinnung: Sie sorgt für frische Luft, ohne dass die Wärme durch geöffnete Fenster verloren geht.
Eigene Energieerzeugung
- Photovoltaik: Die zentrale Energiequelle. Bei Einfamilienhäusern sind meist etwa 10 bis 20 kWp nötig, je nach Verbrauch und Dachfläche.
- Wärmepumpe: Sie erzeugt aus Luft-, Erd- oder Grundwasserwärme Heizenergie und Warmwasser und nutzt dafür den eigenen Solarstrom.
- Solarthermie: Optional für Warmwasser, wird heute aber oft durch größere PV-Flächen ersetzt.
Speicher und Energiemanagement
Ein Batteriespeicher erhöht den Anteil des selbst genutzten Solarstroms. Ein Energiemanagementsystem steuert Wärmepumpe, Wallbox und Haushaltsgeräte so, dass sie bevorzugt dann laufen, wenn die Sonne scheint.
Architektur und Ausrichtung
Eine kompakte Bauform mit wenig Außenfläche, ein unverschattetes Grundstück und eine große, nach Süden oder Ost-West ausgerichtete Dachfläche sind ideal. Pultdach oder flach geneigtes Satteldach bieten oft mehr nutzbare Fläche für die Module.
Plusenergiehaus im Vergleich zu anderen Energiestandards
| Typ | Merkmal |
| Passivhaus | Sehr geringer Heizwärmebedarf von höchstens 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr, vor allem durch Dämmung und Lüftung mit Wärmerückgewinnung |
| Effizienzhaus 40 | Braucht nur etwa 40 Prozent der Primärenergie eines Referenzgebäudes, wichtig für Förderprogramme |
| Nullenergiehaus | Erzeugt über das Jahr etwa so viel Energie, wie es verbraucht |
| Plusenergiehaus | Erzeugt über das Jahr mehr Energie, als es verbraucht |
Ein Plusenergiehaus baut meist auf einem sehr effizienten Gebäude wie Passivhaus oder Effizienzhaus 40 auf und ergänzt es um eine große Photovoltaikanlage.
Vor- und Nachteile eines Plusenergiehauses
Vorteile
- Sehr niedrige Energiekosten: Heizung und Strom werden größtenteils selbst erzeugt.
- Unabhängigkeit: Steigende Strom- und Gaspreise wirken sich kaum aus.
- Klimaschutz: Im Betrieb entstehen kaum CO2-Emissionen, der Überschuss ersetzt Strom aus fossilen Kraftwerken.
- Zukunftssicher: Das Haus erfüllt künftige Anforderungen an Neubauten in der Regel ohne Nachrüstung, was den Wiederverkaufswert stützt.
- Wohnkomfort: Gleichmäßige Temperaturen und gute Luft durch die Lüftungsanlage.
Nachteile
- Höhere Baukosten: Dämmung, Lüftung, Wärmepumpe, PV und Speicher kosten mehr als ein Haus nach Mindeststandard. Die Mehrkosten liegen meist bei etwa 5 bis 15 Prozent.
- Abhängigkeit vom Grundstück: Verschattung durch Nachbargebäude oder Bäume und eine ungünstige Dachausrichtung können das Plus verhindern.
- Winterlücke: In den dunklen Monaten wird Strom aus dem Netz bezogen, ein Batteriespeicher überbrückt nur Stunden bis wenige Tage.
- Geringe Einspeisevergütung: Überschüssiger Strom bringt meist weniger ein, als Netzstrom kostet. Wirtschaftlich zählt vor allem der Eigenverbrauch.
- Planungsaufwand: Gebäude, Technik und Nutzung müssen genau aufeinander abgestimmt werden.

Wartung und laufende Kosten
Die Wartungskosten sind überschaubar. Photovoltaikmodule halten meist 25 Jahre und länger, der Wechselrichter muss oft nach etwa 10 bis 15 Jahren ersetzt werden. Wärmepumpe und Lüftungsanlage brauchen eine regelmäßige Wartung, bei der Lüftung kommen Filterwechsel hinzu. Batteriespeicher verlieren mit den Jahren Kapazität.
Um das Plus dauerhaft zu halten, lohnt ein Blick auf die Verbrauchsdaten. Viele Anlagen zeigen Erzeugung und Verbrauch in einer App an. Sinkt der Ertrag ohne erkennbaren Grund, kann das auf Verschmutzung, Verschattung durch gewachsene Bäume oder einen Defekt hinweisen.
Förderung für Plusenergiehäuser
Der Bund fördert energieeffiziente und klimafreundliche Neubauten vor allem über zinsgünstige Kredite der KfW. Voraussetzung ist meist ein sehr hoher Effizienzstandard, teils mit zusätzlichen Nachhaltigkeitsanforderungen. Eine eigene Förderstufe für Plusenergiehäuser gibt es derzeit nicht. Hinzu kommen regionale Programme, etwa für Batteriespeicher. Da sich die Programme regelmäßig ändern, sollten Sie die aktuellen Bedingungen vor der Planung prüfen.
Ein Plusenergiehaus planen mit Plan7Architekt
Die Grundlage für ein Plusenergiehaus wird im Entwurf gelegt: kompakte Form, Fensterflächen nach Süden, ausreichend Dachfläche für die Photovoltaik und kurze Wege für die Haustechnik. Mit Plan7Architekt zeichnen Sie den Grundriss mit Bemaßung über mehrere Geschosse, wählen die passende Dachform, prüfen die Wirkung in der 3D-Ansicht und erstellen Ansichten, Schnitte und Pläne für den Bauantrag. Die Pläne lassen sich als PDF, DWG oder DXF an Architekt und Energieberater weitergeben. Die Software läuft unter Windows und wird einmalig gekauft, ohne Abo.
Häufige Fragen
Was ist ein Plusenergiehaus?
Ein Haus, das über das Jahr mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Grundlage sind eine sehr effiziente Gebäudehülle, eine Wärmepumpe und eine große Photovoltaikanlage.
Was kostet ein Plusenergiehaus?
Ein Plusenergiehaus ist in der Regel etwa 5 bis 15 Prozent teurer als ein Neubau nach gesetzlichem Mindeststandard. Dafür sinken die Energiekosten deutlich.
Lohnt sich ein Plusenergiehaus?
Meist ja, wenn das Grundstück gut besonnt ist und ein großer Teil des Solarstroms selbst genutzt wird, etwa für Wärmepumpe und Elektroauto.
Ist ein Plusenergiehaus unabhängig vom Stromnetz?
Nein. Im Winter wird Strom aus dem Netz bezogen, im Sommer eingespeist. Erst in der Jahresbilanz entsteht das Plus.
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