Für Fenster im Wohnhaus gibt es anders als bei Innentüren keine verbindlichen Standardgrößen. In der Praxis haben sich aber Maße durchgesetzt: Ein typisches Wohnraumfenster ist etwa 1,01 bis 1,26 Meter breit und 1,26 bis 1,385 Meter hoch, bei einer Brüstungshöhe von 80 bis 95 Zentimetern. Bodentiefe Fenster sind meist 2,01 bis 2,26 Meter hoch. Vorgeschrieben ist in den meisten Bundesländern nur, dass die Fensterfläche eines Aufenthaltsraumes mindestens ein Achtel der Netto-Grundfläche des Raumes beträgt.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Fenstermaße üblich sind, wie Sie die richtige Größe für jeden Raum bestimmen und worauf Sie bei Brüstung, Sturz und Ausrichtung achten sollten.

Gibt es Standardmaße für Fenster?
Fenster werden fast immer nach Maß gefertigt. Trotzdem orientieren sich Planer und Hersteller an einem Raster, das sich aus der Mauerwerksbemaßung ergibt. Daraus entstehen Rohbaumaße, die sich in vielen Häusern wiederholen und die Hersteller besonders günstig anbieten.
Häufige Rohbaubreiten sind 76, 88,5, 101, 113,5, 126 und 151 Zentimeter. Häufige Rohbauhöhen sind 101, 113,5, 126, 138,5 und 151 Zentimeter für Brüstungsfenster sowie 201 bis 226 Zentimeter für bodentiefe Fenster und Fenstertüren.
| Raum | Übliche Fenstergröße (Rohbau, B x H) | Typische Brüstungshöhe |
|---|---|---|
| Wohnzimmer | bodentief 1,51 bis 3,00 x 2,135 m oder mehrere Elemente | 0 cm |
| Schlafzimmer | 1,135 bis 1,51 x 1,26 bis 1,385 m | 80 bis 95 cm |
| Kinderzimmer | 1,01 bis 1,26 x 1,26 bis 1,385 m | 80 bis 95 cm |
| Küche | 1,01 bis 1,51 x 1,01 bis 1,135 m | ca. 1,05 bis 1,10 m über Arbeitsplatte |
| Bad | 0,76 bis 1,01 x 0,885 bis 1,26 m | 1,10 bis 1,50 m |
| Gäste-WC, Abstellraum | 0,635 bis 0,76 x 0,635 bis 1,01 m | 1,40 bis 1,60 m |
Die Werte sind Richtwerte aus der Praxis. Je nach Fassadengestaltung, Raumgröße und Himmelsrichtung kann es sinnvoll sein, davon abzuweichen.
Wie groß muss ein Fenster mindestens sein?
Die Landesbauordnungen verlangen, dass Aufenthaltsräume ausreichend belichtet und belüftet werden. In den meisten Bundesländern heißt das konkret: Die Rohbaumaße der Fensteröffnungen müssen zusammen mindestens ein Achtel der Netto-Grundfläche des Raumes ergeben.
Ein Beispiel: Ein Kinderzimmer hat 12 Quadratmeter. Ein Achtel davon sind 1,5 Quadratmeter Fensterfläche. Ein Fenster mit 1,135 x 1,385 Metern hat eine Rohbaufläche von rund 1,57 Quadratmetern und erfüllt die Anforderung knapp. Für ein 16 Quadratmeter großes Schlafzimmer bräuchten Sie bereits 2 Quadratmeter, also ein größeres oder ein zweites Fenster.
Unabhängig von der Pflicht gilt: Mehr Licht verbessert die Wohnqualität deutlich. Viele Planer orientieren sich bei Wohnräumen eher an einem Fünftel oder Sechstel der Grundfläche.

Brüstungshöhe und Absturzsicherung
Die Brüstungshöhe ist der Abstand vom fertigen Fußboden bis zur Unterkante der Fensteröffnung. Sie bestimmt, wie viel Ausblick man im Sitzen hat und ob Möbel unter das Fenster passen.
- 80 bis 90 cm: Standard in Wohn- und Schlafräumen, Heizkörper und niedrige Möbel passen darunter
- ca. 1,05 bis 1,10 m: Küche, damit das Fenster über der Arbeitsplatte liegt
- ab 1,40 m: Bad und WC, für Sichtschutz
- 0 cm: bodentiefe Fenster und Fenstertüren
Liegt ein Fenster in einem Obergeschoss und ist die Brüstung niedriger als die vorgeschriebene Absturzsicherung, braucht es ein Geländer oder ein feststehendes Glaselement. Üblich sind je nach Landesbauordnung 80 bis 90 Zentimeter Brüstungshöhe bei Absturzhöhen bis 12 Meter. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Was ist die Brüstungshöhe im Grundriss?
Bodentiefe Fenster richtig dimensionieren
Bodentiefe Fenster sind im Neubau sehr beliebt. Damit sie gut wirken, sollte ihre Höhe zur Raumhöhe passen. Bei 2,50 Metern Raumhöhe ist eine Rohbauhöhe von 2,135 bis 2,26 Metern üblich, damit oberhalb noch Platz für den Sturz und gegebenenfalls einen Rollladenkasten bleibt.
Bedenken Sie bei großen Glasflächen:
- Möbel können vor bodentiefen Fenstern nur eingeschränkt stehen
- Nach Süden und Westen kann im Sommer Überhitzung entstehen, Sonnenschutz einplanen
- Große Elemente sind schwer und teurer, Hebe-Schiebe-Türen kosten deutlich mehr als Drehkipp-Fenster
- Im Erdgeschoss ist Einbruchschutz wichtig
Fenster nach Himmelsrichtung planen
Die Ausrichtung beeinflusst Licht, Wärme und Energiebedarf:
- Süden: große Fenster für Wohnbereich, im Winter solare Gewinne, im Sommer Verschattung nötig
- Westen: Abendsonne, ideal für Wohnzimmer und Terrasse, Hitze im Sommer beachten
- Osten: Morgensonne, gut für Küche, Essbereich und Schlafzimmer
- Norden: kleinere Fenster für Bad, Treppenhaus, Abstellräume und Arbeitszimmer mit gleichmäßigem Licht
Wie Sie die Räume passend zur Sonne anordnen, zeigt der Ratgeber Grundriss nach Himmelsrichtung planen.

Fensterformate und Fassade
Fenster prägen das Gesicht eines Hauses. Eine ruhige Fassade entsteht, wenn sich Fensterhöhen und Achsen wiederholen. Bewährt hat sich, die Oberkanten aller Fenster eines Geschosses auf eine Linie zu legen. Auch die Fenster von Erdgeschoss und Obergeschoss übereinander anzuordnen, wirkt meist harmonischer und vereinfacht die Statik.
Bei einem Bebauungsplan mit Gestaltungsvorgaben können zudem stehende Formate, Sprossen oder bestimmte Farben vorgeschrieben sein. Prüfen Sie das vor der Detailplanung.
Kosten und Größe
Größere Fenster kosten mehr, aber nicht linear. Ein Fenster mit doppelter Fläche kostet meist deutlich weniger als zwei kleine Fenster, weil Rahmen, Beschläge und Montage nur einmal anfallen. Teuer werden vor allem Sondermaße, Dreiecks- und Rundformen, Hebe-Schiebe-Elemente und Fenster mit erhöhtem Einbruchschutz. Einen Überblick über die Preise gibt der Artikel Neue Fenster im Haus: Kosten im Überblick.
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