In einem Neubau liegt die lichte Raumhöhe heute meist zwischen 2,50 und 2,60 Metern. Vorgeschrieben ist in den meisten deutschen Bundesländern für Aufenthaltsräume eine lichte Höhe von mindestens 2,40 Metern, in Dachgeschossen gelten Ausnahmen. Altbauten haben dagegen oft 2,80 bis über 3,20 Meter. Welche Höhe für Ihr Haus sinnvoll ist, hängt von Raumgröße, Budget, Heizkonzept und den Vorgaben des Bebauungsplans ab.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, was die lichte Raumhöhe genau ist, welche Mindestmaße in Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten, wie sich Raumhöhe und Geschosshöhe unterscheiden und worauf Sie bei der Planung achten sollten.

Was ist die lichte Raumhöhe?
Die lichte Raumhöhe ist das Maß vom fertigen Fußboden bis zur fertigen Unterseite der Decke. Gemessen wird also im bewohnbaren Zustand, nach Estrich, Bodenbelag, Putz oder abgehängter Decke. Genau dieses Maß nehmen Sie im Alltag wahr, wenn Sie einen Raum betreten.
Davon zu unterscheiden sind zwei weitere Begriffe, die in Bauplänen häufig auftauchen:
- Rohbauhöhe: Abstand von der Oberkante der Rohdecke unten bis zur Unterkante der Rohdecke oben, also ohne Fußbodenaufbau und Deckenputz.
- Geschosshöhe: Abstand von Oberkante Rohdecke zu Oberkante Rohdecke des nächsten Geschosses. Sie enthält die lichte Raumhöhe, den Fußbodenaufbau und die Deckenstärke.
Für eine lichte Raumhöhe von 2,50 Metern braucht man deshalb eine Geschosshöhe von ungefähr 2,85 bis 3,00 Metern. Rechnen Sie grob mit 18 bis 25 Zentimetern für die Betondecke und 12 bis 18 Zentimetern für Dämmung, Estrich und Bodenbelag.
Welche Raumhöhe ist vorgeschrieben?
Die Mindesthöhe regeln die Bauordnungen der Länder. Sie gilt für Aufenthaltsräume, also Räume, die zum dauerhaften Aufenthalt von Menschen bestimmt sind: Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Küche mit Essplatz oder Arbeitszimmer. Flure, Abstellräume, Bäder oder Hauswirtschaftsräume gelten in der Regel nicht als Aufenthaltsräume.
| Land | Typische Mindesthöhe für Aufenthaltsräume |
|---|---|
| Deutschland (die meisten Bundesländer) | 2,40 m lichte Höhe |
| Baden-Württemberg | 2,30 m lichte Höhe |
| Österreich (OIB-Richtlinie 3) | in der Regel 2,50 m, in kleineren Wohngebäuden häufig 2,40 m, je nach Bundesland abweichend |
| Schweiz | kantonal geregelt, meist 2,30 bis 2,40 m |
Für Dachgeschosse gelten fast überall Sonderregeln. In vielen Bundesländern reicht es, wenn ein Raum unter der Dachschräge über einen bestimmten Teil seiner Grundfläche die Mindesthöhe erreicht, häufig über die Hälfte oder zwei Drittel der Fläche. Für Kellerräume, die zu Wohnräumen ausgebaut werden, gelten dagegen dieselben Anforderungen wie für normale Aufenthaltsräume.
Welche Raumhöhe ist im Neubau üblich?
Die gesetzliche Mindesthöhe ist nicht das, was die meisten Bauherren heute bauen. In Einfamilienhäusern haben sich andere Werte durchgesetzt:
- 2,40 m: Untergrenze, wirkt in kleinen Räumen in Ordnung, in großen offenen Wohnbereichen schnell gedrückt. Häufig bei günstigen Fertighäusern und im Geschosswohnungsbau.
- 2,50 m: Der übliche Standard bei Massivhäusern und vielen Fertighäusern.
- 2,60 bis 2,70 m: Spürbar großzügiger, besonders bei offenen Wohn-Ess-Bereichen ab etwa 40 Quadratmetern. Viele Hersteller bieten das gegen Aufpreis an.
- 2,80 m und mehr: Altbau-Gefühl, eher selten im Neubau, wirkt bei kleinen Räumen unproportioniert.
Aus meiner Erfahrung bei der Planung vieler Grundrisse gilt eine einfache Faustregel: Je größer die Grundfläche eines Raumes, desto eher lohnt sich zusätzliche Höhe. Ein Schlafzimmer mit 14 Quadratmetern wirkt mit 2,50 Metern völlig normal. Ein offener Wohnbereich mit 50 Quadratmetern wirkt mit derselben Höhe deutlich flacher als erwartet.

Vor- und Nachteile höherer Decken
Vorteile
- Räume wirken großzügiger und heller
- Höhere Fenster und Türen werden möglich, mehr Tageslicht fällt tief in den Raum
- Bessere Proportionen bei großen offenen Bereichen
- Platz für Deckenleuchten, Pendelleuchten oder eine abgehängte Decke mit Spots
Nachteile
- Höhere Baukosten durch mehr Wandfläche, mehr Material und teils größere Treppen
- Mehr Raumvolumen muss beheizt werden
- Die Treppe braucht mehr Steigungen und damit mehr Platz im Grundriss
- Die Gebäudehöhe steigt, was mit Trauf- oder Firsthöhen im Bebauungsplan kollidieren kann
Der Mehrpreis für 10 Zentimeter zusätzliche Raumhöhe liegt je nach Hersteller und Bauweise oft im niedrigen vierstelligen Bereich pro Geschoss. Bei Fußbodenheizung fällt der Mehrverbrauch durch das größere Volumen meist geringer aus, als viele erwarten, weil die Wärme vor allem im unteren Raumbereich abgegeben wird.
Raumhöhe und Treppe: der oft übersehene Zusammenhang
Jeder Zentimeter Geschosshöhe muss von der Treppe überwunden werden. Bei einem Steigungsmaß von etwa 18 Zentimetern bedeutet eine um 20 Zentimeter höhere Geschosshöhe ungefähr eine zusätzliche Stufe. Das verlängert die Treppe um einen Auftritt von rund 26 bis 29 Zentimetern. In knappen Grundrissen kann genau das darüber entscheiden, ob die Treppe noch in den geplanten Flur passt.
Wie man Treppen richtig berechnet, lesen Sie im Ratgeber Treppe berechnen und zeichnen. Die üblichen Maße im Einfamilienhaus finden Sie unter Einfamilienhaus Treppe: normale Maße.
Raumhöhe und Bebauungsplan
Wer die Raumhöhe erhöht, erhöht automatisch die Gebäudehöhe. Viele Bebauungspläne begrenzen aber die Traufhöhe, die Firsthöhe oder die Zahl der Vollgeschosse. Bei einem zweigeschossigen Haus mit Satteldach summieren sich 15 Zentimeter mehr pro Geschoss auf 30 Zentimeter an der Traufe. Das kann reichen, um eine Vorgabe zu überschreiten.
Prüfen Sie deshalb vor der Entscheidung, welche Höhen der Bebauungsplan zulässt. Mehr dazu im Artikel Was ist die Traufhöhe eines Hauses? und im Ratgeber Was darf ich auf meinem Grundstück bauen?
Raumhöhe im Dachgeschoss
Im Dachgeschoss bestimmen Dachneigung und Kniestock, wie viel nutzbare Höhe entsteht. Wichtig ist hier nicht nur die Mindesthöhe nach Bauordnung, sondern auch die Wohnflächenberechnung:
- Flächen mit einer lichten Höhe unter 1 Meter zählen nicht zur Wohnfläche
- Flächen zwischen 1 und 2 Metern zählen zur Hälfte
- Flächen ab 2 Metern zählen voll
Diese Regeln stammen aus der deutschen Wohnflächenverordnung. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Ratgeber Wohnflächenberechnung bei Dachschrägen.

Wie Sie die passende Raumhöhe festlegen
Gehen Sie bei der Entscheidung am besten in dieser Reihenfolge vor:
- Klären Sie die maximal zulässigen Höhen im Bebauungsplan.
- Legen Sie fest, welche Räume besonders groß werden, vor allem den Wohn-Ess-Bereich.
- Vergleichen Sie die Angebote: Viele Hersteller nennen 2,50 Meter als Standard und 2,60 oder 2,70 Meter als Option.
- Prüfen Sie, ob die Treppe mit der gewünschten Geschosshöhe in den Grundriss passt.
- Schauen Sie sich die Räume in 3D an, bevor Sie sich entscheiden.
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