Reetdach – Aufbau, Kosten und Risiken

Reetdach – Aufbau, Kosten und Risiken

Dass ein Reetdach eine gewisse Frische und nordische Idylle ausstrahlt, empfinden wohl die meisten Menschen so. Denn auch in Zeiten, in denen die digitale Welt immer weiter voranschreitet, setzen noch immer viele Menschen auf eine solch traditionelle Dachart. Ein Reetdach lässt jedes Haus gemütlicher wirken und weckt Erinnerungen an Küsten und Meer. Dennoch gibt es einiges zu beachten, was die Eigenschaften, Kosten und Risiken betrifft.

Das Reetdach – was ist das genau?

Reet wird umgangssprachlich und regionsabhängig auch als Ried, Reeth, Reith, Rohr oder Riet bezeichnet. Hierbei handelt es sich um natürliches Schilfrohr, das typischerweise in Sumpfgebieten oder an Ufern wächst und vor seiner Verwendung getrocknet wird. In dieser Form lässt es sich zur Eindeckung von Hausdächern verwenden. Tatsächlich sind mit Reet eingedeckte Dächer eine der ältesten Dachkonstruktionen des Hausbaus.

Insbesondere in Norddeutschland sind Reetdächer noch heute sehr weit verbreitet – und das oft schon seit Jahrhunderten. Dies ist nicht ohne Grund so, denn ein Reetdach ist ein optischer, sehr natürlich wirkender Blickfang, der jedem Haus Behaglichkeit verleiht.

Ehe man sich jedoch für diese Dachvariante entscheidet, sollte man sich auch mit den Vor- und Nachteilen des Materials vertraut machen und nicht allein am Design orientieren. Denn genau wie jedes andere Baumaterial gibt es positive und negative Aspekte, die man kennen sollte.

Zu den wichtigsten Vorteilen zählt sicherlich, dass es sich bei Reet um einen natürlichen, nachwachsenden Rohstoff handelt, der sich als besonders robust
gegenüber Witterungseinflüssen erwiesen hat. Das Material verrottet nur langsam und bietet einen enormen Dämmwert sowie einen exzellenten Schallschutz. Gleichzeitig sorgt Reet als Naturbaustoff für ein hervorragendes Wohnklima ohne schädliche Ausdünstungen.

Allerdings gibt es bei Schilf auch einige klare Nachteile, wie beispielsweise einen möglichen Befall von Pilzen. Dies kann dann eintreten, wenn das Material zu feucht ist bzw. falsch verlegt wird. Auch ist Reet als Naturmaterial relativ wartungs- und pflegeintensiv. Dazu kommt: Fallen Reparaturen an, kann es in vielen Regionen außerhalb Norddeutschlands schwierig werden, einen Dachdecker zu finden, der auf das Material spezialisiert ist.

Wie hoch sind die Kosten für ein Reetdach?

Genau wie auch bei einem mit Ziegeln eingedeckten Dach kommt es bei den Kosten eines Reetdachs auf zahlreiche Faktoren an. Allgemein kann jedoch damit gerechnet werden, das Reetdächer ungefähr doppelt so teuer wie ein geziegeltes Dach mit derselben Fläche wird. Pro Quadratmeter sollte ungefähr mit Kosten von 80 bis 120 Euro gerechnet werden – hier ist die Dämmung noch nicht einkalkuliert, denn dann fallen schnell bis zu 160 Euro pro Quadratmeter an.
Teuer sind natürlich auch Extras wie Gauben, eine besonders steile Neigung oder eine – unverzichtbare! – Feuerversicherung.

Wartung und Pflege von natürlichen Reetdächern

Um möglichst lange Freude an seinem Reetdach zu haben, sind eine regelmäßige Wartung und Pflege sehr wichtig. Diese kommen sowohl der Optik als auch der Funktionalität langfristig zugute. Das Wichtigste ist, das Dach regelmäßig zu säubern und grobe Verschmutzungen wie Moos, Laub, Tannennadeln und Ähnliches zu entfernen – idealerweise in möglichst trockenem Zustand.

Regelmäßiges Festklopfen mit Hilfe eines Klopfbretts festigt mit der Zeit lose gewordene Reethalme wieder zuverlässig. Um unschöne Moose oder Algen zu beseitigen, helfen Wasser und eine Bürste. Die Reinigung mit chemischen Produkten sollte möglichst vermieden werden, auch ein Hochdruckreiniger ist für die normale Reinigung eher ungeeignet.

Der Aufbau eines Reetdachs

Der wichtigste Aspekt beim Aufbau eines Reetdachs ist grundsätzlich, das Eindringen von Feuchtigkeit von außen in das Dach zu verhindern. Dank einer Neigung von mindestens 45 ° ist dies gewährleistet, auch trocknet das Material so schneller. Ebenfalls gibt es die Halmneigung, die mindestens 25 ° betragen muss.

In seiner traditionellen Bauweise wird ein Reetdach als ein sogenanntes Kaltdach gebaut – also als ein belüftetes Dach. Wie der Name vermuten lässt, ist es im Dachgeschoss zugig, was aber gleichzeitig auch für einen effizienten Schutz vor einer zu hohen Feuchtigkeit sorgt.

Darüber hinaus gibt es noch das Warmdach, welches keine Belüftung bietet. Da dieses eine gute Wärmeisolation bietet, ist eine korrekt installierte Dampfsperre zwingend nötig, um Schimmel zu vermeiden. Aus baulicher Sicht ist ein Warmdach also deutlich anspruchsvoller. Dennoch bieten sie den wichtigen Vorteil, dass sich bei Feuer nur Temperaturen von rund 18 °C entwickeln – bei einem Kaltdach sind es dagegen teilweise mehr als 800 °C. Zugunsten einer fehlerfreien Konstruktion lohnt es sich daher, sein Reetdach von einem Fachbetrieb planen und realisieren zu lassen.